Die St. Clemens-Kirche zu Büsum


Jeder von euch kennt unsere Fischerkirche, die im Zentrum von Büsum auf einer Warft steht, aber ward ihr auch schon einmal drin? Unsere Kirche ist wirklich wunderschön und sie erzählt viele Geschichten. Einige davon möchte ich euch heute erzählen:
Im Jahre 1281 wurde die Kirche dem Schutzheiligen der Schiffer und Küstenbewohner St. Clemens geweiht. Damals war Büsum noch eine Insel und trug den Namen Biusne. Nach und nach erweitert wurde sie um 1442 fertiggestellt. Was vielen bestimmt gar nicht auffällt ist die Tatsache, dass die Kirche gar nicht richtig steht, denn es gehört sich für Gotteshäuser, dass sie in West-Ost-Richtung erbaut werden. Unser Altarraum, auch Chor genannt, zeigt aber in südöstliche Richtung. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Meine favorisierte Version geht folgendermaßen: bei einer Sturmflut wurde die Kirche auf Rollen oder in einer anderen Version durch Muskelkraft so verschoben, dass das Wasser sie nicht erreichen möge. Als Zeichen dafür, wo ursprünglich das Chorende der Kirche war, legte Reimers Johann Claus seine rote Jacke hin, nicht ahnend, dass auf der anderen Seite der Kirche ein armer Mann vorbeikam, der die Jacke sah und sie glücklich an sich nahm. Als nun nach einer Zeit Reimers Johann sehen wollte, wo seine Jacke lag und diese nicht mehr sah, rief er :" Kinnerslüüd, holt op! De Kark steiht al op mien Jack!" Man freute sich über die gelungene Aktion und keiner achtete mehr auf die Himmelsrichtung.
Eine andere Erzählung sagt, dass der Pastor vom hereinfallenden Sonnenlicht geblendet und die Kirche deshalb verschoben wurde.
Aber die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass die Kirche nach dem Sonnenaufgang am Tag ihres Namensgebers St. Clemens, nämlich am 23. November ausgerichtet wurde.
Wenn dann am 23. November die Sonne scheint, kann man es selbst nachprüfen.
Ist euch schon mal die kleine goldene Kugel und die Wetterfahne oben auf dem Kirchturm aufgefallen?
Im Jahre 1950 wurde eine luftdicht verschlossene Bleikapsel im Zuge von Reparaturarbeiten in die Kugel hineingetan. Man hatte nämlich festgestellt, dass Dokumente, die seit 1863 darin aufbewahrt wurden, witterungsbedingt unleserlich geworden waren. Man legte also jetzt zeitgenössische Dokumente, ein silbernes Zweimarkstück mit dem Bild Martin Luthers und einige Geldmünzen hinein und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung (Kinder bekamen sogar extra schulfrei für dieses Ereignis) schulterte Turmbaumeister Dürr die Kugel und kletterte an die Spitze des Kirchturms, um sie dort zu befestigen. Er verweilte da oben sogar für die Dauer des Liedes "Ein feste Burg ist unser Gott....", was den damaligen Pastor Christiansen tief bewegte. Danach befestigte er die Wetterfahne auf genau die gleiche Weise.

  















Schaut man sich die Kirche von aussen noch etwas genauer an, findet man über der sog. Hochzeitstür (das ist die Tür aus der die Brautleute nach der Predigt hinaustreten) eine Gedenktafel für Johann Adolf Köster, genannt Neocorus, 2. Pastor in Büsum um 1600 und Verfasser der 1. Chronik Dithmarschens.
Keiner weiß, wer die Tafel angebracht hat und wann, nur das vorher an dieser Stelle ein Fenster war. Etwas neben dieser Tür findet man eine Sonnenuhr, die auch heute noch funktioniert.














Zum Schluss (für heute) möchte ich euch noch eine Geschichte über den Glockenturm erzählen:
Er ist, wie es für Dithmarscher Kirchen typisch ist, freistehend. Die Kirche wurde laut einer Sage verschoben, bei dem Glockenturm ist das tatsächlich passiert. Ursprünglich stand er südöstlich neben der Kirche, seit 1590 steht er in der nordwestlichen Ecke des Kirchplatzes. Dies geschah durch den Büsumer Zimmermann Jacob Hansen, der damit in die Geschichte Büsums einging.
Die in Bronze gegossene 700kg schwere Glocke wurde während der beiden Weltkriege abmontiert und im den Hamburger Hafen gelagert. Nach Ende des 2. Weltkrieges beschloss der Kirchenvorstand, dass der unter Denkmalschutz stehende Turm erhöht werden sollte, damit er zwischen den mittlerweile neu gebauten umliegenden Häusern emporragte. Dies geschah 1954 durch den Zimmermann Peter Kruse, der unter den Turm die Gedächnishalle für die Gefallenen der beiden Weltkriege baute. Auch Peter Kruse wird in der Chronik von Büsum erwähnt.
Den Eingang zur Gedächnishalle bewachen 2 Engel.

Ich hoffe, ich hab euch schon ein bißchen neugierig gemacht, denn mein Bericht über unsere Fischerkirche ist ja noch längst nicht zu Ende. Wenn ihr sie besichtigen möchtet, könnt ihr das täglich von 9.00h-16.00h,  (außer es findet ein Gottesdienst statt).
Meine heutigen Infos habe ich aus dem Buch von Pastor Rainer Thun "Die St. Clemens-Kirche zu Büsum", aus dem ich auch die Fotos mit der vergoldeten Kugel und dem Kirchturm herausfotografiert habe. Die anderen Fotos stammen aber von mir. Des weiteren möchte ich mich bei Pastor Steffens und bei Frau Okon für das Gespräch bedanken.
Ich hoffe, mir sind in meinem Text keine Fehler unterlaufen, ansonsten möchte ich mich dafür entschuldigen.

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